Dankbarkeit und Wertschätzung

Das zu schätzen, was bereits ist... eigentlich gar nicht so schwer oder?

Es ist eigentlich so leicht und doch fällt uns so schwer... oder fällt es uns eigentlich gar nicht schwer, wir sind nur meist eher damit beschäftigt zu sehen, was uns noch fehlt, was nicht ist obwohl wir es gern hätten..? 
Wir sehen oft den Mangel, sehen Optimierungsbedarf. Vergleichen uns und schneiden dabei meist schlechter ab, sehen, was andere haben aber wir nicht. Wir fühlen uns benachteiligt, unfair behandelt oder einfach als Opfer dessen...ausgeliefert... Das erzeugt Wut, Frust, Angst, Trauer… 

Die meisten von uns haben ein Dach überm Kopf, genug Essen im Kühlschrank, mit einem Knopfdruck direkten Kontakt zu unseren Liebsten. Wenn es uns mal nicht gut geht, haben wir die Möglichkeit uns Hilfe zu holen... Viele von uns leben in einem sicheren Umfeld. 

Unsere Grundbedürfnisse sind somit in der Regel befriedigt und trotzdem vergleichen wir uns...

In der Regel mit denen, die es besser haben, die besser sind.
Wieso? 
Täte es uns nicht gut, wenn wir uns auch mal mit denen vergleichen, denen es schlechter geht, die weniger haben? Nicht um uns über sie zu stellen. Natürlich nicht. 
Um ein Gefühl von Demut zu erzeugen. Demut davor, wie es auch hätte sein können, wären wir nicht aufgewachsen, wie wir es sind, wäre uns nicht vorgelebt und mitgegeben worden, was wurde, hätten wir selbst an manchen Punkten in unserem Leben anders entschieden, weniger Glück gehabt, weniger Geld, weniger Zuspruch... oder hätte das Schicksal einfach anderes für uns vorgesehen...

Ich merke es selbst immer wieder: Ich beschwere mich über Umstände, fühle einen Mangel, wo andere Fülle haben, hätte gern mehr von xy, weniger von z. 
Und dann begegnet mir im Außen genau das: wo mir die Kinder manchmal den letzten Nerv rauben, versucht eine Frau unbedingt schwanger zu werden, wo ich Lebensmittel wegschmeißen muss, weil es doch zu viel war und nicht mehr gegessen werden konnte, guckt ein anderer bei jedem Einkauf auf jeden Preis um ja im Budget zu bleiben und klemmt sich dann doch das eine Produkt, weil‘s zu knapp ist. Ich verteufle manchmal meinen Körper, weil ich beim Sport nicht immer volle Leistung bringen kann und denke dann an eine Bekannte, die nach einem Unfall das Laufen neu lernen muss und für die es das größte ist, wenn sie nur den kleinen Zeh bewegen kann...
Wie oft ich in irgendwelchen Gruppen oder Beiträgen lese: „Mein größter Wunsch ist eine Beziehung auf Augenhöhe“... Ich selbst lebe die schönste und aufrichtigste Beziehung, die ich mir nur vorstellen kann. Und obwohl ich wirklich oft dankbar dafür bin, meinem Mann und dieser Beziehung viel Wertschätzung entgegenbringe, so weist mich immer wieder etwas darauf hin, dass das nicht selbstverständlich ist. Meine eigene Vergangenheit, unglückliche Beziehungen oder eben der unerfüllte Wunsch anderer erinnern mich daran, es könnte auch ganz anders sein. 

Ich habe vor einigen Jahren erst entdeckt, wie viel Kraft es mir gibt, dankbar zu sein. 
Und seitdem habe ich schon oft behauptet, ich sei einer der glücklichsten Menschen auf Erden. 
Und doch erwische ich mich dann immer wieder selbst dabei, wie ich mich von meinen Gedanken runterziehen lasse. 

Und dann gibt mir die Hitzewelle am letzten Wochenende völlig den Rest. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als es einfach zu überstehen und hinter mir zu lassen, um danach immer und immer wieder mitzubekommen, unter wie viel schlechteren Bedingungen andere gelitten haben (manchmal so viel optimistischer als ich: „Endlich Sommer, endlich Sonne, endlich ist es warm“).
Und da wird es mir wieder bewusst: ich lasse mich von meinen Gedanken verleiten. Fühle mich als Opfer. Fühle mich ausgeliefert. Leide unter Umständen, die sich andere nur wünschen... 

Wie oft vergessen wir, wie gut es uns eigentlich geht. Wie oft sehen wir nicht, was wir bereits haben. Halten es für selbstverständlich. Wollen mehr, wollen es anders. 

Dabei täte es uns sehr gut regelmäßig wertzuschätzen, was wir uns sehnlichst wünschen würden, wenn wir es nicht hätten. 
Dankbar sein für das, was ist. Und damit meine ich nicht alles zu überspielen, was unangenehm ist. Man darf auch traurig sein, wütend, frustriert. Und trotzdem sehe ich es so, dass wir durch jede Dankbarkeit, die wir nicht nur aussprechen, sondern auch fühlen, immer ein wenig auf unser „Habenkonto“ einzahlen. 
Und ich selbst habe die Erfahrung gemacht, je mehr ich auf‘s Habenkonto einzahle, desto weniger macht es mir aus, auch mal einen Mangel zu empfinden. 
Es ist, wie mit dem Beispiel der Wölfe: welcher Wolf in uns gewinnt? Der mutige oder der ängstliche? Es ist immer der, den wir füttern. 

Eine Übung für dich: 

Setze dich gern mal für einige Minuten an einen ruhigen Ort, vorzugsweise abends vor dem Schlafengehen, sonst, wie und wo ist dir gerade gut passt. 
Schreibe auf, was du bereits alles hast, wofür du dankbar bist.
Schreibe einfach drauf los und sei mal gespannt, was da alles zum Vorschein kommt. 

Und wenn du das Gefühl hast, dir fällt nichts mehr ein, gehe mit ganz simplen Beispielen voran: für eine warme Mahlzeit, für ein Dach überm Kopf, für das letzte Lachen deines Kindes. 
Und selbst, wenn du denkst, es gibt gerade in einem Bereich nichts, wofür du dankbar sein kannst, so schaue einmal genauer hin.. Wo geht es dir gerade gut? Welcher Teil deines Körpers hat gerade keine Beschwerden? Wo hat dir ein Mensch ein lächeln geschenkt? 

Du wirst sicher schnell merken, wie viel du bereits in deinem Leben hast, das dein Leben eigentlich wunderschön und erfüllt macht. Und mit ein bisschen Übung wirst du merken, wie sehr diese Dankbarkeit und Wertschätzung Einfluss haben auf dein ganzes Empfinden. Das Gehirn ist, vereinfacht gesagt, dazu in der Lage in deinem Leben immer das zu filtern, was gerade passt. Bist du voller Zorn, nimmt es bevorzugt das wahr, was dazu passt: ein grimmiger Blick eines vorbeilaufenden Menschen, ein verletzendes Kommentar eines Arbeitskollegen, negative Gedanken. Aber genauso gut filtert es, wenn du positiv eingestellt bist: plötzlich nimmst du wahr, dass dich der Stau heut gar nicht wütend gemacht hat, deine Arbeitskollegin hat dir etwas vom Bäcker mitgebracht, im Postfach findest du eine Einladung zu einem tollen Event...

Und auch hier lade ich dich wieder ein: teile gern deine Gedanken dazu, schreib mich an, lass mich wissen, was du für dich entdeckt hast, wafür du dankbar sein kannst. Was hat es bei dir bewirkt und vor allem, was hat sich vielleicht verändert, nachdem du es eine Weile praktiziert hast, was nimmst du wahr?

Ich freue mich auf deine Nachricht :) 

Ziele...

Wieso erreichen wir manche davon..manchen rennen wir hinterher - und was sollen sie uns eigentlich bringen?

Den Spruch "Man braucht Ziele im Leben" kennen wir doch alle. Und ja, ich glaube es ist sehr hilfreich, sich Ziele zu setzen... um weiter zu kommen. 
Und doch stellen wir manchmal fest: es ist gar nicht so einfach diese auch zu erreichen... oder gar welche zu haben. Und manchmal erfüllt uns das Erreichen eines Ziels auch gar nicht, wie wir es uns erhofft haben... 
Wieso ist das so?
 

Wessen Einfluss steckt in unseren Zielen?

Klar, WIR sind es, die sich Ziele setzen. WIR machen uns Pläne, wie wir sie erreichen können, legen Fristen und Kriterien fest. Doch erklingt da nicht manchmal doch noch die leise Stimme unserer Eltern... oder der Gesellschaft? "Abitur machen ist wichtig, du musst studieren um einen guten Job zu bekommen, lieber jetzt die Reise machen, später geht das nicht mehr, du musst ein Haus kaufen, eine Familie gründen, du musst kämpfen um befördert zu werden, du musst schlank sein und schlau". Und selbst unter den "kleinen" Zielen flüstert es: "Du brauchst das neuste Handy, die chiquesten Klamotten, Tattoos"... um cool zu sein, um anerkannt zu werden... um gut genug zu sein. 
Ich glaube manchmal setzen wir uns Ziele, die gar nicht unsere eigenen sind. Unbewusst. Beeinflusst. Durch Erziehung, Umfeld, Social Media. 

Ziele...WARUM?

Doch fragen wir uns einmal, was für Ziele WIR wirklich erreichen wollen und vor allem WARUM, dann kommen da Antworten zum Vorschein, die uns stutzig machen könnten: "Das macht man so, das muss man machen, das gehört sich so". Oder "dann bin ich glücklich, dann hab ichs geschafft, dann bekomme ich Anerkennung, dann ist xy stolz auf mich". Unser Verstand findet gute Gründe, klar. Irgendwie müssen wir immer noch das nächste Ziel erreichen um endlich glücklich zu sein, eine Pause machen zu dürfen, Anerkennung zu bekommen...

Möglicherweise haben einige von euch schon mal von dem Phänomen  "Post-Achievement Depression" gehört. 
Sportler, die endlich erreicht haben, wofür sie teilweise ihr ganzes Leben lang trainiert haben, fallen in tiefe Depressionen, mit einem Gefühl der völligen Leere und der offenen Frage "Und was jetzt?". 
Ob in der Formel 1, im Tennis oder bei der Olympiade... aber auch Menschen, die lange Zeit nur das eine Ziel fokussiert haben... ihre Gesundheit, die Familie und Freunde dabei vernachlässigt. Um dann oben auf der Karriereleiter anzukommen und festzustellen schon lange irgendwie allein zu sein... der Erfolg füllt diese Lücke nicht... 
"Erfolg... das, was folgt, wenn du deiner Bestimmung folgst". Ist es wirklich unsere Bestimmung dem Glück immer hinterher zu rennen? 
Es wartet immer hinter der nächsten Ecke. Wie die Mohrrübe, die wir uns selbst vorhalten... Wir laufen und laufen, denn es ist ja noch nicht gut genug... es fehlt noch etwas... 

Was soll uns das wirklich bringen?

Ziele sind wichtig. Keine Frage. Sie können motivieren. Sie können uns ausrichten. 
Aber vielleicht tut es gut manch einem Ziel ein wenig auf den Grund zu gehen: 
Wieso will ich genau dieses Ziel WIRKLICH erreichen? 
Der Verstand findet gute Gründe... das hatten wir bereits. Doch was folgt, wenn wir immer tiefer gehen, sagt so viel mehr über uns und unsere Ziele aus, als wir es vielleicht vermuten würden. 
Was folgt sind Gefühle... Ängste, Wünsche, Bedürfnisse.. Emotionen.  
Fragen wir uns immer wieder aufs Neue, was uns das Ziel wirklich bringen soll, stellen wir fest: es ist nicht das Ziel, was zählt. Es ist, was drunter liegt. Welche Ängste wollen wir bekämpfen, welches Bedürfnis soll befriedigt werden. Welcher Mangel, welcher Wunsch kommt darunter wirklich zum Vorschein?

Es ist nicht immer das neuste Handy, die Reise oder Beförderung. Es ist nicht das große Geld, das Haus oder der Status.. 
Manchmal ist es die Angst vor Einsamkeit oder davor abgelehnt zu werden, oder das Gefühl nicht gut genug zu sein und der Wunsch dies zu kompensieren, der Wunsch nach Nähe, nach Freude, danach endlich anzukommen... Manchmal steckt darunter das Bedürfnis nach Selbstliebe...

Wie gesagt, Ziele sind wichtig, sie motivieren uns, zeigen uns den Weg. Das Erreichen von Zielen kann ungemein befriedigend sein, und uns genau das geben, was wir uns erhofft haben. 
Ich glaube dennoch, dass es sich lohnt, sich öfter mal zu fragen: was genau soll mir das eigentlich wirklich bringen?
Man lernt sich selbst besser kennnen, findet versteckte Wünsche oder auch Ängste. 
Und am Ende stellt man vielleicht fest: das, was unter diesem Ziel liegt, kann ich mir auf anderem Wege viel besser, schneller oder sogar einfacher erfüllen. Manchmal muss man nicht das große Ziel erreichen, manchmal reichen Zwischenziele um glücklich zu sein, und manchmal reicht das bloße Bewusstsein darüber, was wirklich darunter liegt schon aus, um festzustellen, dass ich vielleicht schon viel näher dran bin, als ich geglaubt habe... 

Wenn du Lust hast, mache gern selbst diese Übung. Finde heraus, was unter deinen Zielen liegt, welchen Ängsten du aus dem Weg gehst, welche Bedürfnisse oder Wünsche gerade Aufmerksamkeit brauchen...

Übung:  

Entscheide dich für eins deiner Ziele.
Schreibe es auf einen Zettel.
Stelle dir die Frage "Was soll mir das bringen?"
Schreibe die Antwort auf.
Stelle dir erneut die Frage "Was soll mir DAS bringen?"
Schreibe wieder die Antwort auf. 
Stelle dir so oft diese Frage, bis du keine neue Antwort bekommst. 
(Habe Geduld und vor allem keine Angst davor, wenn es vielleicht emotional wird, es ist alles genau richtig, was da kommt)

Lass die finale Antwort einmal auf dich wirken... Was macht sie mit dir? Was fühlst du dabei?
Und last but not least: wo kannst du genau das heute schon leben? 

Lass mich gern teilhaben, schreib mir über das Kontaktformular, wie dir die Übung gelungen ist. Wie ist es dir dabei ergangen, was hat sich gezeigt und was macht das mit dir. Brauchst du Hilfe?

Ich freue mich und wünsche schöne Erkenntnisse :)

 

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